Zurück auf Start Amateurfunk - was ist das?

Schon Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts schufen Leute wie James Maxwell, Heinrich Hertz, Édouard Branly, Alexander Popow und Guglielmo Marconi die Grundlagen der Funktechnik [1]. Ohne sie gäbe es heute zum Beispiel keine Radio- und Fernsehübertragungen oder gar Mobiltelefonie. Neben den kom­mer­ziellen Nutzern und dem Militär interessierten sich auch schnell Amateure für dieses Gebiet. Einige Staaten förderten in den darauf folgenden Jahrzehnten die Ent­wick­lung des Amateurfunks, andere standen ihm misstrauisch gegenüber. Doch das hat sich mittlerweile geändert.
 
Amateurfunk und Funkamateure
 
Der Amateurfunk ist heute in fast allen Ländern der Welt etabliert und nach [2] "ein Funkdienst, der von Funkamateuren untereinander, zu experimentellen und tech­nisch-wissenschaftlichen Studien, zur eigenen Weiterbildung, zur Völ­ker­ver­stän­di­gung und zur Unterstützung von Hilfsaktionen in Not- und Katastrophenfällen wahr­genommen wird." Eine Person, die diese Tätigkeit ausübt, wird als Funkamateur bezeichnet. Ein Funkamateur ist gemäß [3] der "Inhaber eines Ama­teur­funk­zeug­nis­ses oder einer harmonisierten Amateurfunk-Prüfungsbescheinigung ... der sich mit dem Amateurfunkdienst aus persönlicher Neigung und nicht aus gewerblich-wirt­schaft­lichem Interesse befasst." Kurz zusammengefasst ist der Amateurfunk somit ein technisches Hobby, deren Anhänger (Funkamateure) sich der drahtlosen Kom­mu­ni­ka­tion verschrieben haben.
 
Wirkungsgebiete des Amateurfunks
 
Der Amateurfunk ist ein vielfältiges Betätigungsfeld. Viele Funkamateure widmen sich der Herstellung von Funkverbindungen, also den Gesprächen mit anderen Funk­ama­teuren weltweit. Wieder andere haben sich dem Bau einzelner Teile oder ihrer gesamten Funkanlage verschrieben. Einige fassen den Amateurfunk auch als Wettbewerb auf und nehmen an sogenannten Contesten, Peilwettbewerben und Ähn­lichem teil. Nicht zu vergessen sind die Funkamateure, die sich mit der Ent­wick­lung von Software befassen. In der Regel gibt es aber keinen Funkamateur, der nur eine Motivation hat. Jeder befasst sich aus mehr als einem Grund mit dem Ama­teur­funk.
Auch wenn der Amateurfunk nur ein Hobby ist, hat er schon vielen technisch in­teres­sierten Menschen den Weg zu einem neuen Beruf geebnet. Es kann von Vorteil sein, wenn man für einen technischen Beruf oder eine Ausbildung darauf verweisen kann, Funk­ama­teur zu sein oder sich dafür zu interessieren. Im Gegenzug fördern viele Firmen und Institutionen die Ausbildung der Funkamateure.
Doch der Amateurfunk ist nicht nur die Freizeitbeschäftigung einiger Menschen. Ge­ra­de in Ländern mit großen Entfernungen oder nur wenig ausgebauter In­fra­struk­tur führen Naturkatastrophen immer wieder zum vollständigen Ausfall der normalen Kommunikation. Internet oder Telefon-/Mobilfunknetze sind dann nicht mehr nutz­bar. Funkamateure mit ihren autark arbeitenden Funkstationen stellen dann be­son­ders zu Beginn der Katastrophe oft die einzige Möglichkeit dar, Notrufe absetzen zu können.
 
Amateurbänder und Amateurfunktechnik
 
Die Funkamateure können heutzutage 24 Frequenzbereiche zwischen 135,7 kHz und 250 GHz nutzen. Es bietet sich somit für jeden Interessierten eine Möglichkeit, von der Langwelle über die Kurzwelle bis weit über den Ultrakurzwellenbereich hin­aus aktiv zu werden und auch in heutiger Zeit noch an der Entwicklung der Funk­tech­nik und der Erforschung der Ausbreitungsbedingungen teilzunehmen.
Neben den direkten Funkverbindungen haben Funkamateure auch Relaisfunkstellen und Amateurfunksatelliten (OSCAR) selbstgebaut. Doch auch der Mond (Erde-Mond-Erde, EME), Gewitterfronten (Rainscatter), die Spuren von Meteoriten (Me­teor­scatter) oder Polarlichter (Aurora) lassen sich zur Erreichung größerer Ent­fer­nun­gen nutzen.
Telegrafie-Transceiver Spatz für 30 m Für die Übertragung von Informationen kommen neben den traditionelle Modulations- und Sendearten wie Telegrafie (CW) und Telefonie (SSB) auch Verfahren zum Einsatz, die durch die Nutzung von Rechentechnik stark vereinfacht wur­den (zum Beispiel Funkfernschreiben, RTTY) oder gar erst möglich geworden sind (wie Packet Radio, Pactor, APRS oder PSK31). Letztere sind vorwiegend für die Text­über­tra­gung gedacht. Bild- und Videoübertragungen sind jedoch mit Sendearten wie Fax, SSTV (Slow Scan Television) und ATV (Amateur-TV, Amateurfernsehen) eben­falls möglich. Doch die Entwicklung ist damit noch nicht beendet, wie die Ama­teurfunkversion des digitalen Kurzwellenrundfunks Digital Radio Mondiale (DRM), der digitale Sprechfunk (D-STAR) und software-definierte Radios (SDR) zeigen.
Nahezu alle der modernen Sendearten lassen sich durch die Zusammenarbeit von Funkgerät und passender Software realisieren. Dafür sind Funkgerät und Rechner mei­stens über die Soundkarte, zur Steuerung auch über andere Schnittstellen, mit­ein­an­der zu verbinden. Die genutzten Programme werden dabei von Funk­ama­teu­ren für Funkamateure entwickelt und sind zum großen Teil kostenlos nutzbar.
 
QSL-Karten und Amateurfunkdiplome
 
QSL-Karten Jede Funkverbindung wird von beiden Gesprächspartnern mit dem Versenden einer speziellen Karte, einer sogenannten QSL-Karte, bestätigt. Begehrt sind dabei Exemplare aus Amateurfunkländern, in denen es nur wenige Funkamateure gibt oder die sich schwer erreichen lassen. Das Letzte kann zum Beispiel dann der Fall sein, wenn sich das Ziel auf einer kleinen Insel mitten im Ozean, der Antarktis oder gar der Internationalen Raumstation ISS befindet. Die QSL-Karten werden entweder über den eigenen Amateurfunkverband an die Amateurfunkverbände im jeweiligen Land geschickt oder direkt an die Adresse des Gesprächspartners versandt.
Empfangene Karten dienen neben der schriftlichen Bestätigung der Funkverbindung auch als schöne Erinnerung und für Leistungsdiplome. Diese werden meistens von den Amateurfunkvereinen herausgegeben. Die QSL-Karten dienen dabei als Beweis, dass eine bestimmte Anzahl von Funkverbindungen erreicht wurde, die diesem Diplom genügen.
 
Wege zum Amateurfunk
 
In Deutschland kann jedermann Aussendungen von Funkamateuren empfangen. Die aktive Teilnahme am Amateurfunk, also der Betrieb eines Senders, ist jedoch an eine Zulassung gebunden. Um sie zu erwerben, ist eine Prüfung bei der nationalen Fern­mel­de­verwaltung abzulegen. Dies sind in Deutschland die Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen (BNetzA), in Öster­reich das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit) und in der Schweiz das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM).
Lizenz Kurse zur Vorbereitung auf die Amateurfunkprüfung bieten ver­schie­de­ne Vereine und Organisationen an. Die meisten Kurse wer­den von den Amateurfunkverbänden angeboten, organisiert oder gefördert. Dies sind in Deutschland der Deutscher Amateur-Radio-Club (DARC e.V.) und der Verband der Funkamateure in Telekommunikation und Post (VFDB e.V.), in Österr­eich der Österreichischer Versuchssenderverband (ÖVSV) und in der Schweiz die Union Schweizerischer Kurzwellen-Amateure (USKA). In der Regel hat jedes Land mindestens einen solchen Verband. Häufig finden die Kurse an Schulen, Volkshochschulen oder an Universitäten statt. Jedoch bietet die Nutzung eines Aus­bil­dungs­ruf­zei­chens schon vor der Amateurfunkprüfung die Möglichkeit, unter Aufsicht eines Funk­ama­teurs Funkbetrieb zu machen und so in den Amateurfunk "hin­ein­zu­schnup­pern".
 
Verhaltenskodex der Funkamateure
 
Alle Funkamateure haben einen gemeinsamen Verhaltenskodex/Ehrenkodex, den so­genannten Ham Spirit. Demnach sollen sich Funkamateure auch international welt­of­fen, technikbegeistert, tolerant, menschlich und hilfsbereit zeigen. Das un­ter­streicht den Zweck des Amateurfunks, Wissenschaft/Forschung, Bildung/Erziehung und die Völkerverständigung zu fördern, aber auch Behörden/Institutionen bei der Her­stellung von Funkverbindungen in Katastrophenfällen zu unterstützen. Dabei spie­len Unterschiede wie Hautfarbe, Sprache, Religion oder politische Gesinnung des Gesprächspartners keine Rolle. Daraus ist ersichtlich, dass der Amateurfunk we­der politische oder religiöse noch militärische oder kommerzielle Zwecke ver­folgt.
 
[1] Grundlagen der Funktechnik: James Maxwell sagte 1864 die Existenz von Radiowellen voraus. Heinrich Hertz bestätigte am 11.11.1886 experimentell die Exis­tenz von Ra­dio­wel­len. Édouard Branly entwickelte 1890 den ersten Kohärer/Fritter, einen empfindlichen Indikator für elektromagnetische Wellen. Alexander Popow ver­öf­fent­lichte am 7.5.1895 den ersten Radioempfänger. Guglielmo Marconi gelang am 12.12.1901 die erste transatlantische Funkübertragung.
[2] Gesetz über den Amateurfunk (Amateurfunkgesetz, AFuG 1997), §2, Abs. 2
[3] dito, §2, Abs. 1